Bea und die Wölfe


Bea I

In ein Buch versunken saß Bea vor dem Rathaus der kleinen Stadt und wartete auf Tilia und Attila. Als sie ihre Stimmen hörte, legte sie ein Band zwischen die Seiten, klappte das Buch zu und lief auf die beiden zu. 

„Wie war's“?, wollte sie wissen.

„Wir wurden zurechtgewiesen, weil wir keine Papiere mehr haben.“, antwortete Tilia betrübt. „Und sie stellen uns auch keine neuen aus – wir müssen zurück nach Occida, um dort neu ausgewiesen zu werden.“

„Aber da wollt ihr ja eh hin.“

„Stimmt, aber das wird nicht das letzte Mal sein, dass wir nach Papieren gefragt werden.“

Attila zeigte Bea zwei Zettel. „Sie haben uns aber einen Schein gegeben, der uns die Reise gen Westen ermöglichen soll. Ein paar Meilen nördlich von hier gibt es eine Stadt mit Zuganbindung...“

„Züge?“, fragte Bea. „Meint ihr Eisenbahnen?“

Die beiden Menschen lachten. „Auch wenn einige Elfen Menschen verachten, unsere Erfindungen haben sie mit Vergnügen genutzt...“

„Aber sie sind aus Eisen!“, wunderte sich Bea.

„Die meisten Elfen vertragen doch die Berührung mit Eisen...“

„Ich nicht.“, erwiderte Bea finster uns sah sich um. „Kein Dierelf kann das. Beim Versuch, gegen Eisen immun zu werden, verlieren wir die Fähigkeit, uns zu verwandeln.“

„Von innen sieht man fast nichts von dem Eisen.“, beruhigte Tilia sie. „Du wirst sicher damit fahren können.“

„Hoffentlich, denn auch ich werde hier nicht bleiben.“ Bea sah sie mit funkelnden Augen an. „Ich habe eine Universität entdeckt, an der in Xarda unterrichtet wird. In einer Woche mache ich die Prüfungen für meinen Abschluss und dann breche ich auf.“

„Das klingt wunderbar.“, freute sich Tilia. „Und lernst du schon fleißig?“, bei diesen Worten deutete sie auf das Buch, das Bea gerade gelesen hatte.

„Oh, nein, das ist etwas anderes.“ Bea zeigte das Buch Tilia. „Aurora.“, las sie den Titel vor. „Die Geschichte der ältesten Albin, die je gelebt hat. Über zweitausend Jahre. Aufgeschrieben von einem Menschen, der Aurora gut kannte.“

„Klingt interessant.“, bemerkte Tilia. „Irgendwann werde ich vielleicht auch Zeit haben, so etwas zu lesen.“, sagte sie wehmütig.

„Das wirst du bestimmt.“, erwiderte Bea. „Die Uni liegt weit im Osten. Da wird es einige Hochelfen geben.“, murmelte Bea besorgt. „Die riechen meine Schwäche...“, sie schüttelte sich. „Aber ich werde dort studieren.“

„Was wirst du studieren?“

„Ich will eine  Welt schaffen, in der Menschen und Elfen Seite an Seite leben. Ich werde allen, die Menschen für weniger intelligent halten, das Gegenteil beweisen. Ich werde Lehrer. Und ich werde an Schulen gehen, wo Elfen und Menschen zusammen unterrichtet werden. Und wenn es die bis dahin nicht gibt, dann gründe ich sie!“

Tilia lächelte gerührt. „Das ist wirklich ein wunderbares Vorhaben!“, sagte sie. 

„Wir werden heute noch aufbrechen.“, sprach Attila.

Bea fiel ihnen um den Hals. „Ich wünsche euch alles Glück der Welt!“

„Ich dir auch.“, flüsterte Tilia.